Wohnen

26.06.2017

Kommunal Handelnde als Treiber von innovativen Nachhaltigkeits-Ansätzen?
Transition Town als lokaler Akteur beim TransNIK-Workshop des Fraunhoferinstituts ISI gefragt

von Hannes Vetter

transnik

Beim Projekt TransNIK des Karlsruher Forschungsinstitutes für System- und Innovationsforschung geht es um die Frage, wie die derzeitige Wirtschaftsweise zu einer nachhaltigen transoformiert werden kann. Dabei sind Innovationen aus der Nische das Thema, denn Innovationen beginnen u.U. in der Nische und wachsen nach und nach bis sie in manchen Fällen in der Lage sind, ein bestehendes Regime langfristig und substantiell zu verändern.
Zu den Themenfeldern Energie, Wasser und Bauen/Wohnen waren Expert*innen da, wobei weniger Wissenschaftlicher*innen beteiligt waren als lokale Praktiker*innen. Die Gruppenarbeiten fanden dann zu den eben genannten Themenfeldern statt.
In solch kurzer Zeit konnten verständlicherweise keine einheitlichen Ergebnisse erzielt werden. Es handelte sich viel mehr um ein Sammeln von unterschiedlichsten Sichtweisen, die nicht immer ganz vereinbar waren. Ein paar Schlaglichter:

Beim Thema Energie wurde vielfach betont, dass es darum ginge, die lokalen Ressourcen zu nutzen. Aber es handelt sich auch um ein Kommunikationsproblem, bei dem man früh anfangen müsse: bei der Schulbildung. Deshalb sei es wichtig, das Energieproblem in die Schulpläne zu integrieren.

Beim Thema Wohnen wurde viel diskutiert, wie weiterer Flächenverbrauch in den Griff zu bekommen ist. Hier gibt es viele Ideen, von der Vergabe von Flächen ausschließlich nach der Qualität eines Konzeptes (anstatt eines Höchstpreisverfahrens) über die Nutzung von alten/nicht genutzten Industriegebieten als Wohngebiete bis zum kompletten Verbot der Bebauung von bisher unbebauten Flächen. Auch wurde viel diskutiert, wie eine solidarische Wohnform, wie etwa von Wohngenossenschaften oder insbesondere von Wohnprojekten vom Mietshäusersyndikat, gefördert werden könnten. Auch hier wurde ein Kommunikationsproblem deutlich, da alternative Wohnmöglichkeiten nur wenig bekannt seien und daher auch von wenigen „nachgefragt“ werden könnten.

Beim Thema Wasser wurde deutlich, wie wichtig es ist, unterschiedliche „Wasser“ zu unterscheiden. Um eine bessere Nutzung von Wasser insgesamt zu erreichen, ergibt es Sinn, nicht für jeden Anlass Trinkwasser zu nutzen. Man kann eine Unterscheidung wie folgt treffen: Schwarzwasser (z.B. Toilettenwasser), Grauwasser (Regenwasser und normales Abwasser) und Trinkwasser. Auch war die Rückgewinnung aus dem Wasser ein Thema. So kann es energetisch Sinn ergeben eine Wärmerückgewinnung bis 15 Grad zu betreiben. Auf Nährstoffebene kann es Sinn ergeben Urinfilter zur Phosphatrückgewinnung zu installieren. Das erfordert aber eine Gewohnheitsumstellung, da Urin und Kot getrennt gesammelt werden müssten. Bisherige Projekte schienen aufgrund der Gewohnheit nicht sehr erfolgreich zu sein.

Zuguterletzt waren für mich zentrale Botschaften des Tages, dass es angewandte Forschungsinstitute gibt, die sich doch stärker als mir bewusst war mit gesellschaftlicher Transformation auseinander setzen. Mich hat auch besonders motiviert die ganzen Praktiker*innen mit ihrer ganzen Leidenschaft zu sehen. Dabei wurde wieder mal deutlich: zu Umweltschutz gehört auch eines: Zivilcourage. Wenn das auch manchmal nur heißt, dass man fordert, das unnötige Zimmerlicht auszuschalten.